Inversion und Hochnebel

Gerade in den Monaten Oktober und November gibt es für die meisten von uns sehr viele trübe Tage mit zähem Hochnebel. Und dieses Phänomen bereitet uns Meteorologen bei den Vorhersagen doch immer wieder größere Kopfschmerzen. Was genau aber ist Hochnebel und wie unterscheidet er sich von bodennahen Nebel?

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Über dem Wolkenmeer, in der wärmeren Luft, im Tal kühler
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Nächtliche Inversion

Nebel tritt vor allem in den Herbstmonaten auf. In dieser Jahreszeit werden die Nächte immer länger und der Temperaturrückgang ist stärker als im Sommer. Dadurch ist die Luft schneller mit Wasserdampf gesättigt, da kalte Luft nicht so viel Feuchtigkeit aufnehmen kann wie warme. Bei Sättigung der Luft bleibt dem Wasserdampf nur noch eine Möglichkeit: zu kondensieren. Es bilden sich also winzige Wassertröpfchen, der Nebel entsteht. Der gleiche Vorgang geschieht im Übrigen auch in einer Wolke. Nebel lässt sich somit auch als eine auf dem Boden aufliegende Wolke definieren.

Diese Form des herbstlichen Nebels wird als Strahlungsnebel bezeichnet und ist dem Typus Abkühlungsnebel zuzuordnen. Weitere Formen des Abkühlungsnebels sind Advektionsnebel und orografischer Nebel. Neben dem Abkühlungsnebel gibt es noch Verdunstungs- und Mischungsnebel. Im Herbst ist aber der Strahlungsnebel die hauptsächlich auftretende Nebelart.

Schreitet der Herbst zeitlich gesehen weiter voran, tritt noch ein weiterer Nebeltyp auf den Plan: der eingangs erwähnte Hochnebel. Diese Sonderform des Nebels besteht aus einer gleichmäßigen, tiefliegenden Wolkenschicht in etwa 500 bis 1000m Höhe, sodass Berggipfel durchaus aus der Wolkendecke herausschauen können und dort dann sonniges Wetter vorherrscht. Im eigentlichen Sinne handelt es sich also gar nicht um Nebel, sondern um eine nebelähnliche Wolkenerscheinung.

Es gibt drei Möglichkeiten, wie sich Hochnebel bilden kann: durch Abheben von Nebel vom Boden her, durch Kondensation innerhalb hoher Dunstschichten oder durch Abkühlung wasserdampfreicher Luft an einer Inversionsschicht (Umkehr der Temperaturabnahme mit der Höhe). Genau diese kleinskaligen Prozesse in der sogenannten Grenzschicht (Atmosphärenschicht, die bis etwa 1500m Höhe reicht) können auch von den heutigen Wettermodellen nur schwer aufgelöst werden, was die Vorhersage so schwierig macht.

Die Zähigkeit des Hochnebels ist bei windschwachen Hochdruckwetterlagen mitunter stark ausgeprägt. Zu Anfang des Herbstes schafft es die Sonne meist noch die Wolkendecke aufzulösen. Ab etwa Mitte Oktober jedoch wendet sich bei immer niedrigerem Sonnenstand das Blatt. Dann kann es mitunter für einige Tage trüb sein und die Sonne ist nicht zu sehen.

Erst ab etwa Mitte März gewinnt die Sonne wieder die Oberhand. Die länger werdenden Tage geben der Sonne mehr Kraft, so dass sich der Hochnebel tagsüber immer häufiger auflöst, während er in den Sommermonaten dann kaum anzutreffen ist.

Bis es so weit ist, gilt es erst einmal den restlichen Herbst und den kommenden Winter zu überstehen. Tage mit Dauergrau und tagsüber kaum noch ansteigenden Temperaturen sind dann an der Tagesordnung. Vielleicht schafft es die Sonne unter Zufuhr trocken-kalter Festlandsluft aus Osten an einigen Wintertagen aber doch, dem Nebel und Hochnebel den Garaus zu machen und schickt uns ein paar Lebensgeister erweckende Sonnenstrahlen zur Erde.

 

WSM

 

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