Sehr milder und nasser Dezember mit angespannter Hochwasserlage!
Der Dezember 2023 war der 15. in Folge mit auffallend hohen Temperaturen und wird zu den acht wärmsten Weihnachtsmonaten seit 1881 gehören.

In Ahlen startete der Dezember recht unspektakulär. An den ersten Tagen herrschte sogar leichter Dauerfrost, anschließend brachte uns das Tief Sani auch etwas Schnee, so konnten wir am 4. Dezember am Morgen eine nasse 4cm hohe Schneedecke registrieren. In der ersten Dekade blieb es dann nasskalt mit etwas Schnee und Schneeregen. Ab dem 8. setzte sich dann mildere Luft durch, Tiefs brachten erste stürmische Böen ins Münsterland.
Am 3. Adventwochenende lag ein kräftiges Hoch über der Region (Hoch Fiona), der Druck stieg zwischenzeitlich auf 1037 hPa an. Es war allerdings meist hochnebelartig bedeckt.
Ab dem 19. setzte sich dann tiefer Luftdruck bei uns fest. Immer wieder zogen Tiefausläufer in unsere Richtung, verharrten dabei auch länger über der Region und brachten uns teils ergiebigen Dauerregen, der dann zu Weihnachten zu einer extremen Hochwasserlage in Ahlen und der gesamten Region führte. Aufgeweichte Deiche drohten zu brechen (Hamm, Telgte, Warendorf), und auch die Werse hier in Ahlen führte erneut ein extremes Hochwasser. Der Grundwasserspiegel stieg extrem an, es standen zahlreiche Keller unter Wasser. Dazu blieb es an den Weihnachtstagen sehr mild und windig, teils stürmisch.
Nach winterlichem Start deutlicher Temperaturanstieg mit sehr milden Festtagen
Das Mittel der Lufttemperatur lag im Dezember 2023 mit 3,9 Grad Celsius (°C) um 3,1 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 (0,8 °C). Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 (1,8 °C) betrug die Abweichung 2,1 Grad. In Ahlen betrug die Abweichung bei gemittelten 6,0 Grad 2,7 Grad. NRW kam auf eine Abweichung von 3,2 Grad (5,5 °C).
Der Weihnachtsmonat begann winterlich mit landesweiten Nachtfrösten und sogar sehr strengen Frösten im Südosten. Gottfrieding, Niederbayern, meldete am 3. mit -18,9 °C den bundesweiten Tiefstwert. Ab dem zweiten Adventswochenende setzte sich mildere Luft durch. An Weihnachten wurde es fast frühlingshaft mild. Das im Berchtesgadener Land gelegene Piding verzeichnete zur späten Stunde am Heiligen Abend mit Föhnunterstützung sogar 16,9 °C. Es war der Höchstwert im Dezember 2023.
Extrem nass mit Rekordmengen in der nördlichen Mitte und Weihnachtshochwasser
Im Dezember fielen mit ungewöhnlich hohen 114 Litern pro Quadratmeter (l/m²) knapp 63 Prozent mehr Niederschlag, als in der Referenzperiode 1961 bis 1990 (70 l/m²). Im Vergleich zu 1991 bis 2020 erreichte das Plus rund 60 Prozent des Solls (71 l/m²). Ahlen kam auf satte 198,6 l/m² (264%), NRW auf 165 l/m² (187%).
Niedersachsen und Sachsen-Anhalt verzeichneten wohl den nassesten Weihnachtsmonat seit Messbeginn. Besonders in den zentralen Mittelgebirgen und im Schwarzwald gingen teils über 300 l/m² nieder. Ab den Festtagen kam es vielerorts zu Hochwasserwellen mit großen Überflutungen insbesondere in Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Vergleichsweise niederschlagsärmere Regionen waren im Dezember mitunter am Oberrhein mit Mengen um 50 l/m² zu finden.
Bis auf den Süden ein verbreitet sehr trüber Dezembermonat
Mit rund 33 Stunden verfehlte die Sonnenscheindauer im Dezember ihr Soll von 38 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um rund 15 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 (42 Stunden) betrug die negative Abweichung fast 30 Prozent. NRW kam mit 25 Sonnenstunden auf 67% der normalen Ausbeute.
Bis zu 80 Stunden schien die Sonne im Alpenvorland. Weite Teile Niedersachsens meldeten dagegen keine 10 Stunden.
In Ahlen gab es im Dezember 2023 4 Frosttage und 5 Bodenfrosttage, allerdings keinen Eistag. Der gemittelte Luftdruck lag bei 1011,0 hPa. Niederschlag fiel an 23 Tagen, davon gab es 4 Tage mit Schneefall, am 04. konnte sich kurzzeitig eine 3 cm dicke Schneedecke ausbilden. An sieben Tagen gab es mehr als 10 l/m² Niederschlag, Spitzenreiter war hier der 25. Mit 35 l/m²Die Tiefste Temperatur lag bei -3,2 °C in 2 m Höhe am 28. d.M. Der Höchstwert bei 11,7 °C (25.). An einem Tag zeigte sich in Ahlen ein Graupelgewitter (30.).
Das zweite Mal in diesem Jahr kam es in Ahlen zu einem extremen Hochwasser. Am 12./13. September gab es ein Starkregenereignis mit 80 Litern in kurzer Zeit, jetzt um Weihnachten herum eine Dauerregensituation mit 130 l/m² vom 19. Bis zum 27.12. Dabei bleibt festzustellen, dass die Regenüberlaufanlage an der Alten Beckumer Straße bestens funktionierte. Ebenso haben sich die Renaturierungsprojekte entlang der Werse bezahlt gemacht. Eine Schwachstelle im Wersesystem ist allerdings die Fischtreppe und das Wehr im Bereich der Weststraße (Rubberts Mühle). Im Zuge des Rathausneubaus soll dort ja ebenso renaturiert werden. Ob das geplante Vorhaben sich positiv auf die weiter oben gelegenen Gebiete auswirken wird, wage ich zu bezweifeln.
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